AK36 http://ak36.blogsport.de Tue, 20 Feb 2018 19:00:35 +0000 http://wordpress.org/?v=1.5.1.2 en Bericht zur antifaschistischen und internationalistischen „Defend Afrin Demonstration“ http://ak36.blogsport.de/2018/02/12/berlin-bericht-zur-antifaschistischen-und-internationalistischen-defend-afrin-demonstration/ http://ak36.blogsport.de/2018/02/12/berlin-bericht-zur-antifaschistischen-und-internationalistischen-defend-afrin-demonstration/#comments Mon, 12 Feb 2018 14:39:09 +0000 Administrator Allgemein Termine | Veranstaltungen Antifaschismus Veröffentlichungen | Pressemitteilungen Internationalismus Kiezpolitik | Freiräume http://ak36.blogsport.de/2018/02/12/berlin-bericht-zur-antifaschistischen-und-internationalistischen-defend-afrin-demonstration/ Fazit, (Selbst)-Kritik und der Versuch einer Diskussion für die kommenden Monate.

Vorab: Der folgende Bericht stellt explizit nur die Ansichten und Bewertungen von uns als Gruppe dar und steht nicht für Alle, die sich im Vorbereitungskreis der Demo befunden haben.

Am letzten Sonntag (04.02.2018) demonstrierten in Berlin mehr als 4000 Menschen ihre Solidarität mit dem Widerstand in Afrin und der Revolution in Rojava. Weiterhin wurde den gefallenen Kämpfer*innen eben jener Revolution gedacht – Şehîd namirin!
Fast zeitgleich gab es weitere Demonstrationen mit tausenden Menschen in Hamburg und Stuttgart. In Afrin selbst, waren die Straßen mit 100.000 Ḿenschen gefüllt.

Die verschiedensten Aufrufe zu einer spektrenübergreifenden Demo in Berlin, zahlten sich in diesem Fall aus. Denn Ziel war es zum einen, viele Menschen für die Demonstration zu begeistern und zum anderen die Fahnen der Freund*innen tragen zu können, was in den letzten Monaten immer wieder von den Bullen unterbunden wurde. Beides sollte als Zeichen der Verbundenheit an die Menschen in Rojava & Nordkurdistan gehen. So freuen wir uns natürlich darüber, dass zwei kurdische Sender, Live-Bilder der Demonstration z.B. in Afrin ausstrahlten. Zur Demo hatten u.a. Nav – Dem, Destan, YXK, Radikale Linke Berlin, Hände weg von Wedding, FAU Berlin, die anarchistische Bibilothek Kalabalik, und die Rigaer 94 aufgerufen. Zudem wurde die Mobilisierung von zahlreichen weiteren Gruppen unterstützt bzw. getragen. Allen voran der IL ,TOP Berlin und dem Exil-Kollektiv der Friedel 54.

Bei der Auftaktkundgebung wurde in zahlreichen Redebeiträgen die Notwendigkeit der Demokratischen Föderation Nordsyrien und der damit verbundenen Hoffnungen, Chancen und Perspektiven thematisiert. Weiter wurde die Rolle der deutschen Regierung und ansässiger Unternehmen als Kriegspartei in Kurdistan und der Türkei verdeutlicht.
Die Demonstration war von Beginn an, insbesondere im mittleren Teil, sehr kämpferisch. Zudem wurden hunderte YPG / YPJ-Fahnen getragen und mit Hilfe von Hoch- und Seitentransparenten Solidaritätsbekundungen mit der Freiheitsbewegung in Rojava zum Ausdruck gebracht.
So kam es dann auch, wie es kommen musste. Nachdem es bereits zu Beginn der Demo in der Oranienstraße zu Provokationen türkischer Regime-Fan-Boys kam, fand kurze Zeit später am Heinrichplatz ein kurzer Schlagabtausch mit zwei türkischen Faschisten statt, die zeitnah das Weite suchen mussten. Hierbei wurde unseres Wissens nach, eine Person aus der Demonstration festgenommen. Dennoch war das Verhalten der Berliner Bullen an jenem Tag eher passiv. Nachdem sie in den letzten Monaten ein faktisches Verbot für YPG/ YPJ-Fahnen durchsetzten und es immer wieder zu Festnahmen kam, war dies diesmal nicht zu beobachten. Ob die Demonstration dazu beigetragen hat, das im März 2017 erlassene Fahnenverbot, zumindest für Berlin zu kippen, kann hier noch nicht beurteilt werden. Es zeigt sich aber, dass zumindest für diese Demonstration das offensive und massenweise Zeigen der Fahnen erfolgreich umgesetzt werden konnte. Danke an Alle Personen die sich daran beteiligten.
Doch erinnern wir uns daran, dass es nicht nur das Verbot der YPG/ YPJ-Fahnen sind, die zeigen wo sich die deutsche Regierung positioniert, sondern auch das Verbot der PKK und die vermehrte Verfolgung durch die §129a und b. So freuten wir uns umso mehr über die gelungene Dachaktion von solidarischen Menschen. Hier wurde eine große PKK-Fahne gezeigt untermalt mit grünem, rotem und gelbem Rauch sowie farblich passenden Bengalos. Auch hier ein großes Dankeschön.

Kritisieren müssen wir dagegen, dass es sich einige Politiker*innen der Partei die Linke sowie den Grünen am Maybachufer nicht nehmen ließen, für kurze Zeit den Lautsprecherwagen zu entern. Warum diese Herren nicht auf den vielen Kundgebungen und Demonstrationen in den Vorwochen mit weit weniger Medienrummel anwesend waren, können sich alle denken. Wahrscheinlich spielte die Selbstprofilierung im Stammkiez eine entscheidende Rolle für diesen Move.
Anstatt Demonstrationen zu „belästigen“ wäre es weit sinnvoller euren Parlamentarier Status zu nutzen um Delegationen nach Rojava zu organisieren. Denn im Gegensatz zu Internationalisten, NGOs, und Hilfswerken verfügt ihr über den Status, der es euch ermöglicht, die Grenzen zu passieren. Das würde die Möglichkeit bieten als Beobachter*innen und gleichzeitig als Schutz für die Menschen vor Ort zu fungieren. So geschehen bei den flächendeckenden Zerstörungen durch das türkischen Militärs der Städte Amed – Sur, Cizre und Sirnak im Jahr 2015 und 2016.
Natürlich müssen wir uns hier auch selbst kritisieren. Anscheinend hätte dieser Punkt, besser in den Vorbereitungen zur Demonstration kommuniziert werden müssen. Wir werden in Zukunft mehr darauf achten.

Dennoch sehen wir positiv auf den Tag zurück. Wir bedanken uns bei allen Gruppen und Einzelpersonen, die die Demonstration unterstützt haben.
Bereits bei der Berliner Mobilisierung zur diesjährigen Oury-Jalloh-Demonstration, hat sich gezeigt, das die Arbeitsweise der dezentralen Mobilisierung manchmal effektiver ist als wochenlange Plena um einen Minimalkonsens für einen Aufruf zu finden. Durch kreative und militante Aktionen sowie Aufrufe von mehreren Gruppen sind der Aufforderung nach Dessau zu fahren hunderte Menschen gefolgt. Auch im Fall der Defend-Afrin-Demonstration hat sich diese Methode als erfolgreich erwiesen.

Falls ihr von Festnahmen wisst und / oder betroffen wart, wendet euch bitte an uns oder an die Freund*innen von NAV-Dem, so dass wir falls benötigt, Anwält*innen vermitteln können.
Vor uns liegen weitere Kämpfe. Das Klima in diesem Land wird von Tag zu Tag faschistoider und rassistischer, die damit einhergehende Mobilisierung des deutschen Mobs, wird dabei zusehends militanter und gefährlicher. Dies sollten wir nicht vergessen, sondern uns vor Augen führen, dass es immer noch darum geht lokal zu kämpfen, global zu denken und Sachen in Kontexte zu stellen.
Denn der Kampf den wir hier führen ist der Gleiche nur mit anderen Mitteln, Herangehensweisen und anderen (gesellschaftlichen) Ausgangspunkten. Wir wünschen uns für die Zukunft mehr Wechselwirkungen und Austausch bei gemeinsamen Aktionen von „kurdischen“ , „türkischen“ und „deutschen Linken“ zum Beispiel bei dem bevorstehenden AfD „Frauenmarsch“ am 17.02. vom Halleschen Tor zum Bundeskanzleramt. Auch wenn die Zeiten bitter sind, sehen wir zahlreiche neue Kampagnen und Gruppen mit Potenzial in Berlin entstehen. Seien es die Internationalistische Feministische Kampagne „Gemeinsam Kämpfen“ oder die Proteste gegen den geplanten Google Campus in Kreuzberg. Diese Kämpfe gilt es zu verbinden und zum Erfolg zu führen.

Kein Frieden mit den Feind*innen der Freiheit!

Antifaschistische Koordination 36

RBB: https://www.rbb24.de/politik/beitrag/2018/02/demonstration-gegen-tuerkische-offensive-in-syrien.html
Fotos: https://www.flickr.com/photos/pm_cheung/album/72157693047048705

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AfD-Demo zum Desaster machen – Antifeminismus und Rassismus bekämpfen! http://ak36.blogsport.de/2018/02/08/afd-demo-zum-desaster-machen-antifeminismus-und-rassismus-bekaempfen/ http://ak36.blogsport.de/2018/02/08/afd-demo-zum-desaster-machen-antifeminismus-und-rassismus-bekaempfen/#comments Wed, 07 Feb 2018 22:20:11 +0000 Administrator Allgemein Termine | Veranstaltungen Antifaschismus Veröffentlichungen | Pressemitteilungen Kiezpolitik | Freiräume http://ak36.blogsport.de/2018/02/08/afd-demo-zum-desaster-machen-antifeminismus-und-rassismus-bekaempfen/ Am 17.02.2018 ist es soweit: Die AfD will erneut in Berlin auf die Straße gehen. Mit einem „Frauenmarsch“ soll der bereits in weiten Teilen der Gesellschaft vorhandene Rassismus weiter salonfähig gemacht werden. Beginnen soll das Ganze um 15 Uhr am U-Bhf. Hallesches Tor in Kreuzberg.

Das es ausgerechnet die Partei ist, deren Führung jedes mal aufs neue den christlich-fundamentalistischen „Marsch für das Leben“ unterstützt, und jetzt für Frauenrechte demonstrieren will erscheint nur auf den ersten Blick paradox. Bei genauerem hinsehen, geht es der AfD um die „deutsche Frau“, die nicht mehr sicher sei, den Erhalt des „deutschen Volkes“, dass die AfD durch Migration bedroht sieht.Die AfD steht für eine reaktionäre, chauvinistische, ultra-konservative Welt und vor allem für das dazugehörige „Frauenbild“.

Das es auch in Berlin (immer) noch möglich ist Nazi-Demos anzugreifen zeigte nicht zuletzt der Aufmarschversuch der Identitären am 17.06.2017 in Berlin Wedding bei dem es über den ganzen Tag verteilt zum Bau von Barrikaden, Sach- und Personenschaden kam. Daran gilt es bei jedem Nazi-Event anzuknüpfen. Kreuzberg ist nicht Mitte und bietet weitaus mehr Optionen, als bspw. die sehr begrenzten Handlungsspielräume bei den „Merkel muss Weg Demos“.

Wir für unseren Teil, verzichten auf die Anmeldung von klassischen Gegenkundgebungen, und rufen anstelle dessen,
zu dezentralen Aktionen in Kreuzberg und komplett Berlin auf. Die Optionen den selbsternannten Verteidigern des Abendlandes den Tag zu verhageln, sind nicht nur auf Kreuzberg begrenzt, da die AfD mittlerweile über eine Infrastruktur verfügt die durch Büros, Druckereien etc. auf ganz Berlin verteilt ist. Diese gilt es anzugehen, und das nicht nur am 17.02.

Organisiert euch! Macht eigene Aktionen! Unterstützt den Widerstand!

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Von Kreuzberg nach Afrin – Tod dem Faschismus! Solidarität mit Rojava http://ak36.blogsport.de/2018/01/24/von-kobane-nach-afrin-tod-dem-faschismus-solidaritaet-mit-rojava/ http://ak36.blogsport.de/2018/01/24/von-kobane-nach-afrin-tod-dem-faschismus-solidaritaet-mit-rojava/#comments Wed, 24 Jan 2018 00:07:38 +0000 Administrator Allgemein Termine | Veranstaltungen Antifaschismus Antirepression Veröffentlichungen | Pressemitteilungen Internationalismus Kiezpolitik | Freiräume http://ak36.blogsport.de/2018/01/24/von-kobane-nach-afrin-tod-dem-faschismus-solidaritaet-mit-rojava/ Antifaschistische und Internationalistische Demonstration // Sonntag 04.02. // 15:00 Uhr // Oranienplatz // Berlin – Kreuzberg //

Nach monatelangem Säbelrasseln hat das AKP – MHP Regime unter der Führung Recep Tayyip Erdogans begonnen seine Pläne zu konkretisieren . Das erklärte Ziel: Die Vernichtung der Demokratischen Föderation Nordsyrien. Um diesen Ziel näher zu kommen begann das Türkische Militär mit der Unterstützung zuvor ausgebildeter Jihadistischer Milizen am 19.01.2018 den durch mehrheitlich Kurd*innen bewohnten Kanton Afrin mit einer Groß angelegte Militäroperation anzugreifen, dies wäre jedoch ohne den vorherigen Abzug russischer Truppen nicht denkbar gewesen.

Die Gründe für diesen erneuten Angriffskrieg der Türkei gehen bei näherer Betrachtung jedoch über den zusammenschweißenden, fanatischen Hass auf Kurd*innen (fast) aller Türkischer Parteien hinaus. Durch den desolaten Zustand im eigenen Land sieht sich das Regime in Ankara im Zugzwang und setzt erneut auf Krieg gegen Kurden, in und Außerhalb der Türkei. In Zeiten instabiler Währung, einbrechendem Tourismus sowie bröckelnden Internationalen Beziehungen bedarf es einem Kollektiven Feind der die Massen hinter sich bringt.

Geopolitische Interessen und der damit einhergehende Machtausbau im aufgeteilt werdenden Syrien sowie Rüstungsgeschäfte sind ein zusätzlicher und nicht zu unterschätzender Faktor in der Logik des türkischen Krieges. Um diesen Krieg effektiv Medial zu inszenieren erließ das Türkische Innenministerium ein 15 Punkte Programm der als Richt und Leitlinie für die Türkische Presse fungiert. In dem Programm heißt es unter anderem das: „Menschen, die sich negativ über die Operation äußern, sollen in den türkischen Medien kein Gehör finden.“ und weiter „Stets betont werden solle, dass die Operation mit türkischen Waffen durchgeführt werde.“ Insbesondere diese zwei Punkte verdeutlichen erneut den Umgang des Regimes mit der faktisch abgeschafften Freien Presse und lässt tiefe Einblicke in ihre Rüstungsgeschäfte gewähren.

Eben Jene Geschäfte die seit Jahrzehnten mit deutschen Unternehmen und der deutschen Bundesregierung geführt werden. Neben den Presseerlass läuft die Totale Mobilmachung auf allen gesellschaftlichen Ebenen. So werden in Moscheen der türkischen Religionsbehörde „Diyanet“ die Fath – Sure („Sieg“ – „Erfolg“) verlesen und für den Sieg der türkischen Armee in Afrin gebetet.

Die Gebete und die all um fassende Propaganda werden jedoch ihren Zweck nicht erfüllen, den all den propagierten Bildern von erfolgreichen Türkischen Soldaten zum trotz, erleidet das Regime massive Verluste. Und so wie Kobane das Grab der IS- Faschisten wurde, wird es der Widerstand der Menschen in Afrin und ganz Rojava sein, der dem AKP- MHP Regime den lang überfälligen Todesstoß versetzen wird.

Die SPD, Rheinmetall und das Bundesinnenministerium – vereint im Anti kurdischen Kampf

Anfang des neues Jahres trafen sich Vertreter*innen des Bundesinnenministeriums sowie der Bundesanwaltschaft mit Agenten Türkischer Behörden in Berlin. Ziel des Treffens war die Zusammenarbeit und die damit einhergehende Repression gegen in Deutschland lebende Kurd*innen zu intensivieren. Ein Treffen mit weitreichenden Folgen: So wurden laut einem Meldung der Deutschen Presseagentur (DPA) alleine für das Jahr 2017 – 170 Verfahren wegen Mitgliedschaft und / oder Unterstützung der in Deutschland seit 1993 verbotenen und kriminalisierten Arbeiter Partei Kurdistans (PKK) eingeleitet. Aktuellen Meldungen der Frankfurter Rundschau zufolge operieren Hierzulande ca. 6000 Agenten des Türkischen Geheimdienstes. Das es diesen nicht „nur“ um „bloße“ Observation von hier lebenden Regimegegnern geht, belegen erneut die Schüsse auf Deniz Naki vor einigen Wochen.

Kooperation auf allen Ebenen: Erneut sind es Deutsche Waffen die im Krieg gegen Kurd*innen eingesetzt werden. In der aktuell laufenden Operation „ zeytin dali – Olivenzweig“ werden deutsche Leopard 2 Panzer eingesetzt. Produziert durch das Düsseldorfer Rüstungsunternehmen Rheinmetall, welches in Zusammenarbeit mit einem Türkischem Unternehmen eine Panzerfabrik an der Türkischen Schwarz – Meer Küste errichten lässt. . Bekräftigt wird die Deutsch – Türkische Waffenbrüderschaft durch Sigmar Gabriel (SPD). Seines Zeichens deutscher Außenminister der nach dem Treffen mit seinem Türkischen Amtskollegen in Gosslar Anfang Januar sein Ministerium dazu anwies sich mit der Genehmigung des türkischen Panzer-Deals zu beschäftigen. Gabriel sah es als seine „Moralische Pflicht“ an die Türkei bei der Nachrüstung der Panzer nicht länger warten zu lassen. Das sich Sigi überhaupt erdreistet von Moral zu reden, ist ähnlich zynisch wie wen Erdogan von Frieden und Gleichheit redet.

„You can kill a revolutionary but you can never kill the Revolution“

Geschlechterbefreiung, Freie Bildung, direkte Demokratie, Interethnische Zusammenarbeit, Säkularismus und Umweltschutz sind Teile der Errungenschaften der Revolution in Rojava. Auch wen Rojava bei weitem kein „Paradies“ ist und die Widersprüche (noch) gravierend sind, ist dieses Projekt ein Hoffnungsschimmer. Ein Hoffnungsschimmer in einem durch Krieg und Zerstörung geprägtesten Teil dieser Erde. Mit den Angriffen der Türkei soll nicht „nur“ die einzige reale Hoffnung auf Freiheit und Frieden für den Mittleren Osten zerstört sondern auch die Idee einer neuen Welt. Die „Radikale Linke“ sollte den Angriff auf Rojava als das begreifen was er ist: ein Angriff auf uns alle. Ein Angriff auf all jene die es ernst damit meinen den Kapitalismus abschaffen zu wollen und die für ein gleichberechtigtes, selbstbestimmtes Leben in Freiheit und Würde kämpfen. „Wir“ sollten es als unsere Aufgabe begreifen, die Revolution zu verteidigen und weitergehende Revolutionäre Perspektiven zu entwickeln.

Die Wahl der Mittel sollte dabei nicht begrenzt seien, sind es doch deutschen Firmen die Millionen mit dem Krieg gegen unsere Freunde verdienen, die deutsche Regierung die hier lebende Kurdische und Türkische Oppositionelle verfolgt, drangsaliert und einsperrt. Und nicht zuletzt Türkische, deutsche Faschisten und ihre Islamistischen Glaubensbrüder die es zu bekämpfen gilt.

Somit rufen wir als Antifaschistische Koordination 36 gemeinsam mit der Kurdischen Jugend Berlin, NAV – DEM (Demokratisches Gesellschaftszentrum der Kurdinnen und Kurden in Deutschland e.V) und der Radikalen Linken Berlin zu einer Internationalistischen und Antifaschistischen Demo am 04.02. ab 15:00 Uhr durch Kreuzberg auf. Die Demo wird am Oranienplatz beginnen und am Hermannplatz enden.

Die konkrete Demo – Route wird in den kommenden Tagen veröffentlicht. Wir rufen dazu auf euch an der Demo zu beteiligen, im Vorfeld Aufrufe zu verfassen, Aktionen zu planen und / oder euch kreativ an der Demostrecke zu beteiligen. Senden, wir ein kämpferisches und kraftvolles Signal von Kreuzberg bis nach Afrin! Auch wenn der Deutsche Staat sich als Gehilfe der türkischen Diktatur anbiedert, werden wir es uns nicht nehmen lassen die Fahnen unserer Freund*innen der YPJ und YPG zu zeigen! Wir rufen euch auf dies ebenfalls zu tun.

Tod dem Faschismus! Defend Afrin! Lang lebe Rojava !Demo // Sonntag 04.02. // 15:00 Uhr// Oranienplatz // Berlin – Kreuzberg //

Infos und Hintergründe zur aktuelle Situation : https://anfdeutsch.com/aktuelles / http://civaka-azad.org/ / http://lowerclassmag.com/ /
Newsticker zu den Angriffen auf Efrîn: https://anfdeutsch.com/aktuelles/newsticker-zu-den-angriffen-auf-efrin-1795

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Reisebericht – Rojava Calling http://ak36.blogsport.de/2018/01/23/rojava-calling/ http://ak36.blogsport.de/2018/01/23/rojava-calling/#comments Tue, 23 Jan 2018 18:35:05 +0000 Administrator Allgemein Termine | Veranstaltungen Antifaschismus Veröffentlichungen | Pressemitteilungen Internationalismus Kiezpolitik | Freiräume http://ak36.blogsport.de/2018/01/23/rojava-calling/ Die Revolution in Nordsyrien und die Wiederentdeckung eines kämpferischen Internationalismus

Spätestens seit der Schlacht um Kobane ist die demokratische Selbstverwaltung in den kurdischen Gebieten Nordsyriens, besser bekannt unter dem Namen Rojava, ein wichtiger Bezugspunkt internationaler Solidarität für die hiesige Linke.

Das auf einem weit verzweigten System von Kommunen, Räten und Kooperativen errichtete demokratische System dort, führte auch in den deutschen Debatten zu einer Rückbesinnung auf rätedemokratische Traditionen der Arbeiter*innenbewegung. Die Entschlossenheit der Volksverteidigungseinheiten YPG und ihrer Fraueneinheiten YPJ im Kampf gegen die Angriffe der türkischen Armee und des Islamischen Staates gab vielen Linken auch hierzulande neuen Mut.

Hier gab es eine Linke, die siegen konnte. Hier konnte man vielleicht lernen, wie auch in den kapitalistischen Metropolen ein erneuter Aufbruch möglich wäre. Mit dieser Perspektive reisten im Februar 2017 mehrere Redakteure der linksradikalen Online-Zeitschriftlower class magazinenach Syrien. Sie blieben viele Monate und arbeiteten in der Kommune der Internationalist*innen, in den lokalen Jugendstrukturen, in den militärischen Formationen zur Verteidigung der Revolution. Die Erfahrungen, die sie dort machen konnten, die unfassbar schönen wie die widersprüchlichen und schweren, wollen sie mit euch teilen, diskutieren, über sie streiten.

Mit Peter Schaber und Willi Effenberger

Mittwoch // 31.01.2018 // 19:30 Uhr – SO36 // Oranienstr. 190 // Kreuzberg

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Film-Veranstaltung zum „Bloody Sunday“ http://ak36.blogsport.de/2018/01/17/film-veranstaltung-zum-bloody-sunday/ http://ak36.blogsport.de/2018/01/17/film-veranstaltung-zum-bloody-sunday/#comments Wed, 17 Jan 2018 12:19:16 +0000 Administrator Allgemein Termine | Veranstaltungen Veröffentlichungen | Pressemitteilungen Internationalismus http://ak36.blogsport.de/2018/01/17/film-veranstaltung-zum-bloody-sunday/
Am 30. Januar 1972, dem sogenannten „Bloody Sunday“, fand in der nordirischen Stadt Derry eine Demonstration statt, in deren Verlauf britische Fallschirmjäger das Feuer gegen die Demonstrierenden eröffneten. Dabei wurden 14 Personen erschossen & viele weitere schwer verletzt.

Forderungen der Demonstrant*innen waren mehr Bürger*innenrechte sowie die Abschaffung der sogenannten „Internment-Politik“, die erlaubte Personen ohne Gerichtsverfahren in den Knast zu stecken. Dieses Gesetz traf vor allem Katholiken & Menschen die sich gegen die britische Vorherrschaft in Nordirland engagierten.
Im Anschluss an die Ereignisse in Derry, begann ein jahrzehntelang anhaltender Kampf um die Schuldfrage. Britische Soldaten & Offiziere vernichteten Beweise, steckten bereits getöteten Demonstrant*innen Molotov-Cocktails in die Taschen & bestritten vehement das Feuer eröffnet zu haben.

Erst im Jahr 2010 übernahm die britische Regierung unter David Cameron die Verantwortung, nachdem in einem unabhängigen Gutachten belegt wurde, dass britische Fallschirmjäger zuerst & teilweise willkürlich auf unbewaffnete Demonstrant*innen geschossen haben.

Der „Bloody Sunday“ hatte weitreichende Folgen für den Konflikt in Nordirland, so sollte er bspw. in den nächsten Jahren Rechtfertigung für eine Reihe von Anschlägen der IRA (Irish Republik Army) sein, die ihrerseits kurz nach den Ereignissen von Derry hunderte Neueintritte vermelden konnte.


Dienstag, 30. Januar 2018, 20 Uhr,„Meuterei“ / Reichenberger Str. 58
Gezeigt wird der Film „Bloody Sunday“ (2004) in der deutschen Fassung

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Oury Jalloh – Das war Mord! Demo in Dessau am 07.01.2018 http://ak36.blogsport.de/2017/12/30/oury-jalloh-das-war-mord-demo-in-dessau-am-07-01-2018/ http://ak36.blogsport.de/2017/12/30/oury-jalloh-das-war-mord-demo-in-dessau-am-07-01-2018/#comments Sat, 30 Dec 2017 18:03:25 +0000 Administrator Allgemein Termine | Veranstaltungen Antirassismus Veröffentlichungen | Pressemitteilungen http://ak36.blogsport.de/2017/12/30/oury-jalloh-das-war-mord-demo-in-dessau-am-07-01-2018/ In Gedenken an Oury Jalloh

Am 7. Januar 2005 verbrannte Oury Jalloh in der Zelle Nr. 5 des Dessauer Polizeireviers. Im Jahr 2008 wurden die zwei Bullen Andreas S. und Hans-Ulrich M. daraufhin wegen fahrlässiger Tötung angeklagt. Wie nicht anders zu erwarten, wurden sie durch das Landgericht Dessau-Roßlau freigesprochen.

Von Beginn an behaupteten die Bullen, Oury hätte selbst, gefesselt an Armen und Beinen, seine feuerfeste Matratze in Brand gesteckt. Fest steht, bei ihm wurden mehrere schwere Verletzungen diagnostiziert, die ihm im Gewahrsam zugefügt wurden. Später konnte durch ein unabhängiges Brandgutachten bewiesen werden, dass Oury sich nicht selbst angezündet hat und das es in seiner gefesselten Situation auch gar nicht möglich gewesen wäre.

Erst nach 12 Jahren der Vertuschung und des Schweigens der Ermittlungsbehörden nahm die Staatsanwaltschaft Dessau-Rosslau wieder die Ermittlungen auf. Nur wenig später wurde das Verfahren dem ermittelnden Staatsanwalt entzogen und eingestellt.

Die Bullen haben Oury Jalloh am 7. Januar 2005 in ihrem Revier zunächst brutal misshandelt, ihn gefesselt und bewusstlos oder bereits tot, angezündet. Die Aufarbeitung im Fall Oury Jalloh wird bis heute von sich gegenseitig deckenden Bullen, Staatsanwält*innen und Politiker*innen sabotiert.

Oury ist dabei kein Einzelfall. Erinnert sei hier an Mario Bichtemann, Hans-Jürgen Rose & Y. Li die Opfer der örtlichen Bullen und / oder Staatsanwaltschaft wurden.

Lasst den Mördern keine Ruhe!

07.01.2018 // Dessau Hauptbahnhof // 14 Uhr
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Anfahrt Berlin:

Bus // 10:15 Uhr // Alexanderplatz vor Park Inn Hotel

Zug // 10:45 Uhr // Alexanderplatz // Gleis 2

Mehr Informationen findet ihr auf: https://initiativeouryjalloh.wordpress.com/

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Audio-Mitschnitt zur Andrea Wolf Veranstaltung http://ak36.blogsport.de/2017/12/19/audio-mitschnitt-zur-andrea-wolf-veranstaltung/ http://ak36.blogsport.de/2017/12/19/audio-mitschnitt-zur-andrea-wolf-veranstaltung/#comments Tue, 19 Dec 2017 19:51:53 +0000 Administrator Allgemein Termine | Veranstaltungen Antifaschismus Antirepression Veröffentlichungen | Pressemitteilungen Internationalismus Antisexismus http://ak36.blogsport.de/2017/12/19/audio-mitschnitt-zur-andrea-wolf-veranstaltung/ Am 21.10.2017 fand in der K9 eine Info- & Diskussionsveranstaltung anlässlich des 19. Todestages von Andrea Wolf statt. Um möglichst viele Menschen zu erreichen und im besten Fall, eine Debatte innerhalb der radikalen Linken zum Thema Gedenkpolitik anzustoßen, haben wir unser Material zur Veranstaltung sowie eine Zusammenfassung der anschließenden Diskussion bereits veröffentlicht. All dies findet ihr in unserem Artikel Auswertung der Gedenkveranstaltung zum Todestag von Andrea Wolf

Eine Genossin sprach an diesem Abend über die politische Sozialisierung von Andrea und ihre Beweggründe sich in Deutschland zu engagieren und sich später den bewaffneten Kampf in Kurdistan anzuschließen. Weiterhin wurde in dem 30-minütigen Vortrag die politische Situation in Deutschland und Kurdistan zu eben jener Zeit thematisiert. Wir möchten hiermit den Audio-Mitschnitt veröffentlichen.

Ein kleiner Fehler wurde im Nachgang noch gefunden den wir hiermit korrigieren möchten. Im Jahr 1993 wurde nicht Eva Haule festgenommen sondern Birigt Hogefeld. Dies wurde versehentlich im Vortrag verwechselt.

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Auswertung der Gedenkveranstaltung zum Todestag von Andrea Wolf http://ak36.blogsport.de/2017/11/21/auswertung-der-gedenkveranstaltung-zum-todestag-von-andrea-wolf/ http://ak36.blogsport.de/2017/11/21/auswertung-der-gedenkveranstaltung-zum-todestag-von-andrea-wolf/#comments Tue, 21 Nov 2017 12:11:07 +0000 Administrator Allgemein Termine | Veranstaltungen Antifaschismus Antirepression Veröffentlichungen | Pressemitteilungen Internationalismus http://ak36.blogsport.de/2017/11/21/auswertung-der-gedenkveranstaltung-zum-todestag-von-andrea-wolf/ Am 21.10.2017 fand in der K9 eine Info- & Diskussionsveranstaltung anlässlich des 19. Todestages von Andrea Wolf statt. Um möglichst viele Menschen zu erreichen und im besten Fall, eine Debatte innerhalb der radikalen Linken zum Thema Gedenkpolitik anzustoßen, veröffentlichen wir unser Material zur Veranstaltung sowie eine Zusammenfassung der anschließenden Diskussion.

Gründe diese Veranstaltung zu organisieren gab und gibt es genug. Sei es das Gedenken an Andrea Wolf und all die anderen Menschen, die in emanzipatorischen Kämpfen gestorben sind, oder mögliche Antworten auf die Frage: „Warum sich Menschen dem bewaffneten Kampf angeschlossen haben, an diesem teilnehmen oder teilnehmen werden?“, zu finden.

Eine weitere Intention ist, einen Teil der Gedenkkultur an Gefallene innerhalb der radikalen Linken in Deutschland solidarisch zu kritisieren und gleichzeitig zu überlegen, wie wir Gedenken neu ausrichten können. Dies ist unserer Meinung nach notwendig, da so manche Veranstaltung sich weder tiefgründig mit den jeweiligen Kämpfen und / oder den politischen Ansichten, bzw. unterschiedlichen Hintergründen von Personen auseinandersetzt bzw. gleich zum großen Märtyrer-Kult übergeht. So fungieren diese Veranstaltungen als reines Ritual und / oder Identitätspolitik.

An der Diskussion, die wir im Rahmen der Veranstaltung führten, nahmen Menschen aus verschiedenen politischen Spektren teil, somit war es möglich Unterschiede zwischen der Gedenkkultur in Deutschland und anderen Ländern in die Gespräche einfließen zu lassen. Im Folgenden haben wir versucht nicht unsere Position, sondern die geführte Diskussion zusammenzufassen.
Wir haben insgesamt sechs Schwerpunkte innerhalb der Diskussion gesehen:

1. Die politische Einordnung / der politische Hintergrund der Gefallenen
2. kollektives Gedenken
3. fehlende Perspektive
4. Gedenken und der bürgerliche Diskurs
5. Gedenken als Wissensweitergabe
6. (fehlende) Solidarität

Zwischen den einzelnen Punkten gibt es mal mehr, mal weniger große Überschneidungen. Die Diskussion thematisierte fast ausschließlich Menschen, die sich „freiwillig“ [1] einem militanten und / oder bewaffneten Kampf angeschlossen haben. Nicht aus Arroganz anderen gegenüber, sondern um eine tiefer gehende Auseinandersetzung mit dieser Form des Gedenkens zu ermöglichen.

1. Die politische Einordnung / der politische Hintergrund der Gefallenen

Bei diesem Punkt ist vor allem der Unterschied zwischen Deutschland und den anderen angesprochenen Ländern (Baskenland, Nordirland und Kurdistan) hervorgetreten.
Zum Beispiel ist die Begrifflichkeit „ist Opfer von…geworden“ oder „wurde Opfer durch…“ in Deutschland fest verankert. Das Wort Opfer, ist dabei in den meisten Fällen defensiv konnotiert [2]. Dass Menschen sich selbstbestimmt und bewusst für eine Widerstandsform entscheiden, indem das Risiko zu sterben sehr real ist, wird dadurch ausgeblendet.

In anderen Ländern, gibt es neben der persönlichen, individuellen Trauer, auch eine Einordnung der Gefallenen in einen größeren politischen Kontext. Ein Beispiel ist dabei die Grabinschrift „killed in action“ z.B. auf dem Belfaster Friedhof, ein anderes ist Andrea Wolf. In Kurdistan ist sie nicht ein Opfer des türkischen Staates geworden, sondern im Kampf für die kurdische Bewegung und für die Freiheit aller Menschen gestorben. Dieser Kampf ist nicht vorbei. Er wird heute von anderen Genoss*innen selbstbestimmt weitergeführt.

Allein der Unterschied in den Begrifflichkeiten zeigt sehr gut, wie der Tod von Kämpfer*innen unterschiedlich wahrgenommen wird und ob es einen kollektiven Umgang mit dem Kampf und dem Tod gibt.

2. kollektives Gedenken

Daran anschließend wurden Beispiele aus Kurdistan und dem Baskenland genannt, wie Gedenken an die im Kampf Gefallenen zu einer kollektiven Erinnerungskultur werden kann.

In Spanien gibt es bspw. in Orten in denen ETA-Kämpfer*innen gelebt haben, Bilder der Gefallenen in Kneipen, womit ersichtlich werden soll, dass diese Bar den Kampf und die politische Idee unterstützt. Zeitgleich wird Geld für die Familien gesammelt um diese nicht alleine zu lassen.
In Kurdistan sind neben Bildern und Gedenkstätten auch Lieder und Texte über die Gefallenen weit verbreitet, damit die Sehids [3] und ihre Aktionen im kollektiven Gedächtnis bleiben. Dies kann dazu führen, den bewaffneten Kampf im Alltag sichtbar zu machen und somit einen kollektiven Umgang mit dieser Widerstandsform und den Risiken die diese mit sich bringt, herzustellen.
Darüber hinaus wird das Gedenken an die Personen, die eben jenes Risiko für eine freie Gesellschaft eingegangen sind, aufrechterhalten. Weiterhin werden die Angehörigen und Freund*innen mit ihrer Trauer nicht alleine gelassen, sondern kollektiv unterstützt.

3. fehlende Perspektive

Der kollektive Kampf für eine bessere Gesellschaft ist in Deutschland ein eher seltenes Phänomen. Meist organisiert ein Personenzusammenhang etwas und der Rest kommt zum konsumieren vorbei. Für den politischen Diskurs mit Genoss*innen ist kaum mehr Zeit als auf dem Plenum, von dem Versuch kollektive Lebensformen auszuprobieren ganz zu schweigen. Der Kapitalismus hat uns so sehr vereinzelt, dass es uns schwer fällt gemeinschaftlich zu entscheiden und zu Leben.

Dies spiegelt sich in der politischen Perspektive innerhalb der radikalen Linken in Deutschland wieder. Oftmals fällt es schwer, an einen gemeinsamen Kampf und solidarisches Verhalten untereinander zu glauben. Vielmehr geht es um Identitätspolitik und Ansehen in der Szene. Innerhalb der Diskussion wurde zu dem angemerkt, dass diese fehlende revolutionäre Perspektive zusätzlich durch eine oberflächliche Gedenkkultur und / oder nicht vorhandene Debatten über die eigene Bewegungsgeschichte, gefördert wird.

4. Gedenken und der bürgerliche Diskurs

In der Diskussion ging es jetzt um die Bezugnahme und die Erinnerung an die R.A.F. und anderen bewaffneten Gruppen in Deutschland. Hier sollte dem bürgerlichen Diskurs entgegengetreten werden. Warum gibt es so gut wie keine kritische Auseinandersetzung oder Bezugnahme mit und auf die Aktionen der R.A.F., Bewegung 2. Juni und ähnlichen Zusammenhängen? Wenn dann liegt der Fokus einzig auf der Benennung von Unterschieden, bzw. Distanzierungen zu diesen Gruppen und ihren Fehlern.
Oft wird dabei eine Moralvorstellung vertreten die in der bürgerlichen Gesellschaft ihren Ursprung findet. Mit dem bewaffneten Kampf möchte man nichts zu tun haben. Somit überlässt man die Analyse der eigenen Bewegungsgeschichte oft Personen wie Stefan Aust [4] und Co.

5. Gedenken als Wissensweitergabe

Für die radikale Linke ist eine tiefer gehende Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte, den Fehlern, als auch den speziellen Formen von Widerstand immens wichtig. Viele Probleme, mit denen wir auch heute noch zu tun haben, wurden bereits von anderen Genoss*innen angesprochen, öffentlich gemacht, theoretisch analysiert und in die praktische Arbeit eingebunden.
Diese Wissensweitergabe funktioniert aber nur, wenn Gedenken darauf ausgerichtet ist, den aktuellen Kampf voranzutreiben bzw. die Kämpfe von damals auf die heutige Zeit zu übertragen, zu aktualisieren und weiterzuführen.
Es sollte beim Gedenken an Gefallene eine wichtige Rolle spielen, sich mit den Ideen und Aktionen der jeweiligen Person auseinanderzusetzen. So gehen schon geführte Auseinandersetzungen nicht verloren, wir können voneinander lernen und unsere eigene Geschichte wird lebendig gehalten.

6. (fehlende) Solidarität

Der Mangel an Solidarität in der radikalen Linken in Deutschland ist allgegenwärtig. Ist es die Auseinandersetzung mit Menschen im Knast, der soziale Umgang miteinander oder die Ignoranz gegenüber Kämpfen die von vorangegangen Generationen geführt wurden, die in Vergessenheit geraten und / oder deren Deutungshoheit der bürgerlichen Presse überlassen wird.

In Kurdistan bspw. ist die Solidarität untereinander, eine Grundlage der Bewegung. Die Gemeinsamkeiten werden gesucht, die Unterschiede diskutiert. Die jeweilige Gedenkkultur lebt hierbei von der Solidarität der Menschen untereinander.

Zwei positive Beispiel aus Deutschland wurden dennoch gefunden, die in ihrer Form sehr unterschiedlich sind. Zum einen die tagelangen Ausschreitungen in Westdeutschland, die nach dem Tod von Günther Sare [5] stattfanden. Hierbei entlud sich Trauer, Wut und das Gedenken an ihn, in einer kollektiven Randale.
Ein anderes Beispiel das genannt wurde, ist ein Fest, welches in Celle, in Gedenken an die in Kurdistan gefallenen Kämpfer*innen stattfand. Dort haben verschiedene Gruppen und Zusammenhänge die Angehörigen der Sehids eingeladen und kollektiv den Toten gedacht, gesungen und sich gegenseitig Texte und Briefe der Gefallenen vorgelesen. Das Gedenkfest wurde somit zu einem Ort des Widerstands und des Lebens.

Folgender Satz, der während des Vortrags unserer Freundin fiel, fasst unserer Meinung nach die Diskussion abschließend gut zusammen:

„Das Gedenken an kämpfende Menschen ist ein Versuch die Widerstandsgeschichte im Gedächtnis zu behalten. Dieser [Versuch] ist aber nur dann aktiv, wenn daraus heutiger Widerstand entsteht!“
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[1] Freiwillig ist hier in Anführungszeichen gesetzt, da jede Person selbst entscheiden kann / muss ob sie kämpft oder nicht, es aber in den Ausgangssituationen und den Lebensrealitäten extreme Unterschiede gibt.

[2] Eine Wortmeldung brachte das Beispiel von Ibrahim Arslan an, der den Begriff Opfer für sich positiv besetzt, da er Kampf und Trauer vereint. Ibrahim Arslan überlebte 1992 den rassistischen Brandanschlag in Mölln und ist z.B.: Mitorganisator der „Moellner Rede im Exil“.

[3] Als Sehids werden Menschen in Kurdistan bezeichnet die im Kampf gefallen sind.

[4] Stefan Aust: Journalist und ehemaliger Chefredakteur von DER SPIEGEL und Die Welt, hat u.a. mit dem Buch Der „Baader-Meinhof-Komplex“ maßgeblich die bürgerliche Geschichtsschreibung über die R.A.F. in Deutschland mitgeprägt.

[5] Günther Sare wurde am 28.09.1985 in Frankfurt auf einer antifaschistischen Demonstration von einem Wasserwerfer überfahren, der gezielt in die Gruppe steuerte.
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Neben der Diskussion wurde in einer 12-seitigen Ausstellung das Leben und der politische Werdegang von Andrea Wolf thematisiert. Dabei kommen Freund*innen, Genoss*innen sowie ein Teil ihrer Familie zu Wort. Ein PDF der Ausstellung gibt es hier:

https://issuu.com/ak360/docs/andrea_wolf

Andrea hat in der Zeit in Kurdistan viele Briefe und Texte verfasst, diese wurden später in einem Buch veröffentlicht. Die PDF-Version gibt es hier:

https://www.nadir.org/nadir/initiativ/isku/hintergrund/gefangene/RONAHI/ronahi_andrea_buch.pdf

https://issuu.com/ak360/docs/ronahi_andrea_buch

Zu Beginn der Veranstaltung thematisierte der Film „Erinnerung an Andrea Wolf Ronahi“, das Leben und den Kampf von Andrea in Deutschland und Kurdistan. Den Film findet ihr in nicht so guter Qualität auch auf YouTube:

https://www.youtube.com/watch?v=v_PFQmrBhBc

Im Anschluss sprach eine Genossin über die politische Sozialisierung von Andrea und ihre Beweggründe sich in Deutschland zu engagieren und sich später den bewaffneten Kampf in Kurdistan anzuschließen. Weiterhin wurde in dem 30-minütigen Vortrag die politische Situation in Deutschland und Kurdistan zu eben jener Zeit thematisiert. Einen Mitschnitt findet ihr hier:

https://www.mixcloud.com/ak36/vortrag-andrea-wolf/6

Wir möchten uns herzlichst bei unserer Freundin aus Frankfurt bedanken, die uns nicht nur eine Menge Material für die Veranstaltung zur Verfügung gestellt hat, sondern auch den Vortrag gehalten hat und ein wichtiger Bestandteil der Diskussion war.
Danke auch an die K9 für die problemlose Nutzung der Räume sowie den Menschen die einen Gefangenenschreibworkshop angeboten haben.

Wir möchten hier nochmals betonen, dass ein Begriff wie Solidarität mehr beinhaltet, als auf Soli-Partys zu saufen und an Silvester die Anti-Knast-Demo zu besuchen. Genauso wie der Kampf gegen Nazis oder Bullen, muss auch die theoretische und praktische Auseinandersetzung mit dem Thema Knast, aber eben auch dem Tod unserer Freunde, in unseren Alltag integriert werden. Der politische Kampf muss für die Menschen nicht im Gefängnis aufhören. Schlagkräftig wird er allerdings erst richtig, wenn es parallel dazu einen radikalen Kampf auf unseren Straßen gibt. Das schlimmste was eine Bewegung machen kann, ist die Menschen im Knast alleine zu lassen, weil sie zu feige ist sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.

AK36 im November 2017

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http://ak36.blogsport.de/2017/11/21/auswertung-der-gedenkveranstaltung-zum-todestag-von-andrea-wolf/feed/
Redebeitrag im Rahmen der Kundgebung am Heinrichplatz zum Welt Kobane Tag 2017 http://ak36.blogsport.de/2017/11/03/114/ http://ak36.blogsport.de/2017/11/03/114/#comments Fri, 03 Nov 2017 13:40:03 +0000 Administrator Allgemein Antifaschismus Antirassismus Antirepression Veröffentlichungen | Pressemitteilungen Internationalismus Kiezpolitik | Freiräume http://ak36.blogsport.de/2017/11/03/114/ Frauenbefreiung, Freie Bildung, Selbstverwaltung, Religionsfreiheit, direkte kommunale Demokratie, dies sind nur einzelne Errungenschaften der Revolution in Rojava. Undenkbar sind diese Errungenschaften ohne den Kampf um Kobane, in welchem erstmals der Selbsternannte Islamische Staat in die Knie gezwungen werden konnte. Undenkbar ist es ebenso den Welt Kobane Tag zu zelebrieren ohne denen zu Gedenken die im Kampf für ein Leben in Freiheit und Würde ihr leben ließen und erbitterten Widerstand gegen den IS leisteten.

Die Gefallenen sollten in unseren Kämpfen weiterleben. Die Schlacht um Kobane hat den Kriegsverlauf entscheidend verändert, zudem und das ist aus unserer Sicht der wichtigste Aspekt, hat der Kampf verdeutlicht, dass selbst unter den menschenverachtendsten Bedingungen, etwas Lebenswertes entstehen kann. Auch wenn Rojava bei weitem kein Paradies ist und es immer noch Widersprüche gibt, ist es der existierende Beweis dafür, dass ein selbstorganisiertes Leben fernab von Staat und Kapital möglich ist und Revolution nie ein abgeschlossener Prozess sein kann.

Trotz der Errungenschaften der Revolution in Rojava können wir nicht die Entwicklungen in Nordkurdistan aus den Augen verlieren. Hierbei sollten wir immer wieder thematisieren und Skandalisieren, dass es deutsche Waffenfirmen sind die Milliarden mit dem Krieg gegen die kurdische Zivilbevölkerung verdienen. Es die deutsche Justiz ist die auf Geheiß des Despoten vom Bosporus hierzulande türkische und kurdische Oppositionelle verfolgt, inhaftiert, Fahnen von kurdischen Organisationen und Institutionen verbietet und somit praktische Schützenhilfe für
das AKP / MHP Regime leistet.

Zudem sollte eine Radikale Linke die es ernst damit meint sich als Teil eines weltweiten Kampfes zu verstehen eben auch jene benennen und zur Verantwortung ziehen die hier in Berlin als Protagonisten tätig sind. Jene die den praktizierten Vernichtungswahn des AKP / MHP Regimes nicht nur befürworten sonder ihn auch unterstützen, finanziell wie strukturell. Strukturen hierfür finden sich neben Kreuzberg auch in Berlin Neukölln und Wedding, oft versteckt hinter einem gut bürgerlichen Anstrich in Vereinen, Cafes und Kulturzentren. Diese Protagonisten der Türkischen Ultra Nationalisten stehen ihren deutsche Gesinnungspartnern in nichts nach.* Faschisten bleiben Faschisten egal welcher vermeintlichen Nationalität sie angehören, und ob sie sich nun AFD, Kameradschaft oder Bozkurt nennen. Was sie eint ist Herrenmenschendenken, Sozialchauvismus, Sexismus , Konservatismus, sowie der Hass auf gesellschaftlichen Minderheiten.

Diesen Faschisten gilt es den Kampf anzusagen! In allen ihren Ausprägungen und Erscheinungsformen.
In diesem Sinne: Schulter an Schulter gegen Faschismus!
Freiheit für Abdulah Öcalan und alle politischen Gefangen!
Weg mit den Paragraphen 129a und b!

Lang lebe die Revolution in Rojava!

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Info – Veranstaltung zum 19. Todestag von Andrea Wolf http://ak36.blogsport.de/2017/10/11/info-veranstaltung-zum-19-todestag-von-andrea-wolf/ http://ak36.blogsport.de/2017/10/11/info-veranstaltung-zum-19-todestag-von-andrea-wolf/#comments Wed, 11 Oct 2017 21:16:52 +0000 Administrator Allgemein Termine | Veranstaltungen Antifaschismus Antirepression Internationalismus http://ak36.blogsport.de/2017/10/11/info-veranstaltung-zum-19-todestag-von-andrea-wolf/ Andrea Wolf wurde im Jahr 1965 geboren und engagierte sich unter anderem in der autonomen Frauenbewegung, gegen die Startbahnwest, bei den Protesten gegen den Weltwirtschaftsgipfel 1985 in Bonn sowie 1992 in München.Nach zunehmender Repression beschließt Andrea, in die Illegalität zu gehen. Später geht sie von dort aus im Januar 1997 nach Kurdistan.

Sie kämpft aktiv in einer Fraueneinheit unter dem Kampfnamen Ronahi. Am 22. Oktober 1998 gerät ihre Guerillaeinheit in der Region Wan in einen Hinterhalt. Andrea und einige ihrer Genoss*innen werden vom türkischen Militär gefangen genommen und gefoltert. Andrea Wolf stirbt am 23.Oktober 1998 an den Folgen der Folter.

Wir zeigen eine Dokumentation über Andreas Leben, im Anschluss wird eine Referent*in aus Frankfurt über Andrea, sowie die Möglichkeit Gedenk- und Erinnerungskultur innerhalb der radikalen Linken zu leben, sprechen. Außerdem könnt ihr euch die Ausstellung „Im Dschungel der Städte, in den Bergen Kurdistans – Leben und Kampf von Andrea Wolf“, vor und nach der Veranstaltung ansehen.

Ausstellung über Andreas Leben: 18:30 Uhr // Film und Vortrag: 19:00 Uhr

Samstag // 21.10.// K9 // (Kinzigstraße.9) // Nähe U-Bahnhof Samariterstraße // Berlin Friedrichshain

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